Malte Rubarth

Marion Niklasson

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Tag der Scheidung

© Marion Niklasson

Liebe Carla,

vielen Dank für Deine vielen, lieben Briefe. Es rührt mich sehr, dass Du Dich um mich sorgst, zumal ich Anteilname an meinem Leben nicht unbedingt gewohnt bin.

Es ist vollbracht. Ein Vogel könnte sich nicht freier fühlen. Endlich ist die Scheidung amtlich. Sorge Dich also nicht, mir geht es wunderbar.

Als ich heute morgen erwachte, mir die Sonne warm ins Gesicht schien, wusste ich dass die endlosen Monate meines inneren Kampfes um Trennung geschafft sind. Welch wohliges Gefühl. Kein bisschen Traurigkeit wühlt in mir, nur noch Erleichterung. Aber was erzähle ich Dir - Du selbst hast das alles bereits hinter Dir. Von Zuversicht geprägt, werde ich mich ab sofort neuen Aufgaben stellen.

Zur Zeit erfüllt mich die Freude an Kleinigkeiten. Es ist Februar!! und die Luft erwärmt sich dank ausgiebigen Sonnenscheins auf 15° C. Es kommt mir vor, als ob die Natur sich mit mir freut und unverhofft den Frühling einläutet. Die Vögel sind in Paarungsstimmung, im Garten blüht die Winterheide. Der Schöpfer meint es gut mit mir.

Um mein verlorenes „Ich“ wiederzufinden, bedarf es allerdings einer Machete, die das Dickicht von 20 nutzlosen Jahren durchtrennt. Wer bin ich? Wer war ich? Wie finde ich mich wieder?

Zunächst will ich mich ungewohnt egoistisch ausschließlich mit mir selber beschäftigen. Die ersten Schritte sind getan und denkbar klein. Entscheidungen aus freiem Herzen ohne beklemmende Angst vor Angriffen zu fällen, ist die erste Übung. Somit habe ich am heutigen Tage die Entscheidung getroffen, Geld für irgendeinen unvernünftigen Unfug auszugeben, ja zu verschwenden.

Vielleicht miete ich mich für zwei Wochen in einem teuren Wellnesshotel ein, oder ich kaufe mir ein sündhaft teures Kleid, ein neues, riesiges Auto wäre auch nicht schlecht – hatte ich noch nie. Schließlich habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine eigene Garage, was für ein Luxus!

Ganz sicher ist, dass ich neuerdings beschwingter laufe. Das Leben ist herrlich.

Ich muss unbedingt jetzt und sofort etwas verrücktes anstellen – spontan, ohne lange Planung und Überlegung. Daher soll mein Brief hier enden.

Ich grüße und umarme Dich und freue mich auf unser baldiges Wiedersehen.

Immer Deine Alexandra